Adele Edith Cudkowicz (Feuermann) (1892 - 1942)

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Nicknames: "Zudkowitz"
Birthplace: Kolomea, Stanislawow Wojewodztwa, Ukraine
Death: Died in Chelmno death camp, Poland
Managed by: Rina Talmore
Last Updated:

About Adele Edith Cudkowicz (Feuermann)

Adele lived with her family on 20 Giesserstr, I, in Chemnitz, Germany. They also had a residence in Lodz, on 138 Gdanska Street. According to the ITS Archives she was deported with 2 of her children. Ethel and Rolf, to Poland on October 28th, 1938. Address in Ghetto Lodz: Hanseaten Str., 2 Flat 25.

Deported from the Ghetto to Chelmno 10.9.1942.

BUNDESARCHIV MEMORIAL:


  • Cudkowicz, Adele Adela née Feuermann
  • born on 18th June 1892 in Kolomea (poln. Kolomyja) / - / Galizien
  • Resident of Chemnitz
  • Place of expulsion:
  • 28th October 1938 to Poland
  • Deportation destination: Litzmannstadt (Lodz), ghetto 10th September 1942, Kulmhof (Chelmno), extermination camp
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Adele Edith Cudkowicz's Timeline

1892
June 18, 1892
Kolomea, Stanislawow Wojewodztwa, Ukraine
1927
1927
Age 34
1928
March 5, 1928
Age 35
1929
April 19, 1929
Age 36
Chemnitz, Saxony, Germany
April 19, 1929
Age 36
Chemnitz, Saxony, Germany
1936
March 25, 1936
Age 43
Chemnitz, Saxony, Germany
1938
October 28, 1938
Age 46

POLEN-AKTION am 28.10.1938

Unter den damals Ausgewiesenen befand sich auch die damals 16jährige, in Chemnitz geboren Gerta Pfeffer. Bereits in England lebend, erinnerte sie sich im März 1940 an diese verhängnisvollen Stunden, ihre „Austreibung aus Deutschland“:

„Wir saßen eines Abends im Oktober 1938 bei Tisch, als ein junger Mann zu uns kam und erzählte, daß eine polnisch jüdische Familie soeben verhaftet war. Eine quälende Unruhe bemächtigte sich unser. Ich sah durchs Fenster auf die Straße, sah hellerleuchtete, mächtige Polizeiautos durch die Straße fahren und fast nur bei Häusern haltend, wo polnische Juden wohnten. Es war eine der Austreibungsaktionen von Juden im Gang, die damals so grassierten. Um 11 Uhr nachts kam man auch zu uns. Die ganze Familie mußte mitkommen, wir durften nur Essen für 24 Stunden mitnehmen, sonst nichts. Erklärungen wurden uns keine gegeben. Ein Polizist, der mit mir Mitleid zu haben schien, fragte mich nach meinem Alter und tröstete mich, daß, da ich noch jung sei, mir nichts passieren werde. Wir wurden in einen großen Gasthaussaal in der Stadt geführt, wo dicht zusammengedrängt schon eine Menge Leidensgenossen waren. Alle hatten ein verängstigtes, bleiches Gesicht, jeden quälte die Frage, was wohl die Nazibanden mit uns vorhatten. Ein Feldwebel des Heeres hatte die Aufsicht über uns, und er schimpfte andauernd über die Unruhe, über den Lärm, der im Saale herrschte. Das war schließlich nicht wunder zu nennen, da auch viele verängstigte Kinder anwesend waren. Meine ganze Familie mußte in der Nacht einen Zettel unterschreiben, daß wir innerhalb von 24 Stunden das Land verlassen mußten. Wir waren natürlich sehr erregt und hatten noch immer keine Ahnung, wohin man uns eigentlich bringen werde. Wir blieben die ganze Nacht noch mit den zahlreichen Leidensgenossen zusam¬mengepfercht in dem viel zu engen Saal und in den Morgenstunden erfuhren wir, daß wir abtransportiert werden; bei Fluchtversuch werde jeder sofort erschossen. In großen Polizeiwagen wurden wir zum Bahnhof gefahren. Dort sammelten sich rasch Neugierige an, ich haben keinen Lachen gesehen, niemand hat uns beschimpft. Lange endlose Stunden fuhren wir mit dem Zug. Wir wußten nun, es ging nach Polen, wo wir sicherlich un¬erwünschte Gäste sein werden, obwohl wir polnische Staatsangehörige waren. Wir hatten keine Dokumente bei uns, kein Gepäck, nichts außer was wir am Leibe anhatten. Es war 12 Uhr nachts. Wir mußten unweit der Grenze sein. Einige wenige Reisegefährten versuchten durch Witze aufheiternd zu wirken, aber ich fühlte doch die Angst, die aus allen Reisegefährten sprach. Der Zug hielt. Am Nebengleise stand bereits ein anderer Zug mit ebenfalls ausgetriebenen Deutschen polnischer Staatsangehörigkeit. Wir mußten aussteigen. Da standen eine Unzahl von Hitlers schwarzer S.S. Ein Gruseln überlief uns. Was werden sie jetzt nur mit uns beginnen? Wir mußten uns in Reihen aufstellen und neben jeder Reihe schritt ein S.S.- Mann daher. Wir wurden angetrieben wie eine Herde, schneller, schneller rief man uns zu. Wir mußten einen endlos langen Weg gehen, erschöpft von der Angst, der Reise, dieses nicht enden wollenden Marsches auf der Straße nach Polen, angetrieben von mitleidslosen S.S. - Banden. Einigen wenigen war gestattet worden, daß sie ein wenig Gepäck auf die Reise mitnehmen durften. Die meisten von ihnen mußten aber das Gepäck jetzt auf diesem Marsch wegwerfen, weil sie einfach zu schwach waren, auch noch das Gepäck zu schleppen. Es war stockfinstere Nacht. Wir hörten nur das Stöhnen der Erschöpften und das rohe Schimpfen der S.S. Wir marschierten immer noch auf der unbekannten Straße einem unbekanntem Ziele zu. Plötzlich hörten wir an der Spitze des Zuges Schreie. Mich überlief es kalt. Was bedeutet das wiederum? Später erfuhr ich, daß die Ersten mit Schlägen mit einer Eisenrute in einen schlüpfrigen Wassergraben getrieben wurden, der anscheinend die Grenze zwischen Polen und Deutschland bildete. Auch meine Familie und ich mußten durch den eiskalten Wassergraben. Auf der anderen Seite standen bereits einige Männer, denen es gelungen war, den schlüpfrigen Graben zu passieren. Sie reichten uns die Hände und es gelang so uns herauszuziehen. Zwei Kinder sollen in dem Graben ertrunken sein. Wir standen nun auf einer Wiese und wußten nicht, wo wir waren. Die S.S. rief uns noch nach, wir mögen ja nicht wagen, noch einmal nach Deutschland zurückzukommen, sonst würde man uns einfach erschießen. Auf der Wiese war ein allgemeines Durcheinander, Männer suchten ihre Frauen, Kinder ihre Eltern, und es dauerte ziemlich lange, bis man sich in dem Dunkeln fand. Dann stapften wir durch die Felder einem Licht nach, das wir in der Ferne sahen. Gesprochen wurde wenig, zu sehr lastete das Erlebte auf unserer Seele. Wo waren wir eigentlich? Waren wir bereits auf polnischem Gebiet und sogar dann, wo werden wir wirklich noch landen? Plötzlich tauchte ein polnischer Grenzbeamter auf und sprach mit uns polnisch. Nur wenige verstanden ihn. Wir sollten mit ihm kommen, zurück nach Deutschland. Ein Grauen überlief uns. Als wir uns weigerten, hetzte er einen Hund auf uns, schlug mit seinem Gummiknüttel auf uns ein und beschimpfte uns: „Deutsche Schweine“. Das war das Widerwärtigste für mich. Dachte ich doch, daß man über der Grenze bei polnischen Beamten auf Menschlichkeit und Verständnis stoßen werde. Dieser polnische Beamte zwang uns, die Richtung zurück nach Deutschland zu gehen. Wir überquerten eine Wiese und unsere Phantasie malte sich die schrecklichsten Bilder aus, was jetzt die Deutschen mit uns anfangen werden, wenn wir in ihre Hände fallen werden. Auf der anderen Seite der Wiese stand ein deutscher Grenzbeamter, der uns natürlich die Rückkehr nach Deutschland verweigerte. Wir standen so die ganze Nacht auf dieser Wiese, aus Deutschland vertrieben, in Polen unerwünscht. Die Wiese war neutrales Gebiet, war Niemandsland. In der Ferne hörten wir schießen.
Den tiefsten Eindruck machten auf mich die Kinder, erschöpft, müde tränenlos. Ich beobachtete, wie einzelne auf ihre verzweifelnden Eltern beruhigend einwirkten. Die Schüsse, die wir hörten, sollen Schüsse auf Vertriebene gewesen sein, die, von den Polen nicht Ins Land gelassen, gezwungen wurden, deutsches Gebiet zu betreten. Ich selbst konnte nie Authentisches darüber erfahren. Wir standen die ganze Nacht auf dieser Wiese bis zum frühen Morgen. Einige Grenzbeamte führten uns zu einem Dorfweiler, an dessen Eingang wir eine Menge anderer Ausgetriebener bereits warten sahen. Von Ferne sah dieser Menschenschwarm wie ein schwarzer, düsterer Fleck in der Landschaft aus. Schicksale sprechen aus den traurigen Augen und das herrschende Schweigen vervollständigte die düstere Stimmung. Die Grenzbeamten sprachen nur polnisch, obwohl sie auch deutsch sprechen konnten.
Als alle Vertriebenen, die man in dieser Gegend zusammengefangen hatte, beisammen waren. wurden wir auf einen Bahndamm geführt, und mußten einen höchst beschwerlichen Marsch zwischen den Schienen machen. Ich befürchtete, daß jeden Augenblick ein Zug daherrasen konnte. Wir wußten nicht, in welche Richtung, wir gingen, ob land¬einwärts nach Polen oder ob die polnischen Beamten doch beschlossen hatten, uns wieder den Nazis auszuliefern, wir, die wir doch formell polnische Staatsbürger waren. Nach einer Biegung des Banndammes sahen wir plötzlich wieder die gefürchteten schwarzen Uniformen der S.S. Nun war wohl allzu drastisch jeder Zweifel behoben, wohin wir gebracht worden waren. Wir waren unmißverständlich auf deutschen Boden. Sollte unsere Quälerei nie ein Ende nehmen? Die S.S. übernahm uns und wieder marschierten wir einem unbekannten Ziel entgegen. Einige Überängstliche brachten den traurigen Mut auf, S.S. - Leute zu fragen, was denn nun mit uns geschehen würde, Die prompte Antwort war: „Erschießen.“ Ein anderer meinte: „Ihr kommt in ein Lager.“ Rasch flüsterte einer dem anderen die Schreckensbotschaften zu. Erst ertönte ein Haltekommando, dann mußten wir umkehren und denselben Weg retour. Dann führte man uns auf eine Straße, anscheinend, noch immer deutsches Gebiet. Kinder lachten und höhnten uns, die wir müde, mit nassen Füßen und kotbeschmutzt Schritt für Schritt weitergingen. Wir trauten unseren Augen kaum, als wir auf einmal ein polnisches Grenzhäuschen sahen. Wir wurden noch bis von dort von der S.S. gebracht, die uns verließ und sich sofort zurückzog. Diesmal wurden wir von einem sehr höflichen polnischen Grenzbeamtein übernommen, polnische Kinder brachten uns Wasser und mit unser letzten Kraft gelang es uns, uns in ein nahegelegenes Örtchen zu schleppen. Wir wurden in ein Haus gebracht, wo schon alles auf unser Kommen vorbereitet war. Man brachte uns zu essen und zu trinken und diese Teilnahme war Balsam auf unsere bedrückten Gemüter. Zuerst waren wir ganz apathisch und nur langsam trat das Überstandene hinter dem Neuen zurück.
Ich war schon öfter im Ausland gewesen, mit Wissensdrang erfüllt, aber jetzt war mein Herz besonders geöffnet für Neues, Gutes. Ich betrat einen Laden, um verschiedene Reinigungsmittel, wie Seife und Schuhputzzeug zu kaufen. Zwei Arbeiter empörten sich über uns zugetane Unrecht, der eine machte seinem Herzen durch Loswettern auf die Hitlerbarbaren Luft, der andere, ein älterer Mann weinte sogar. Ich war tiefergriffen, Mitgefühl zu finden. Am Abend gaben uns hilfsbereite Menschen Quartier und wenige verlangten eine Entschädigung von uns.
Am nächsten Morgen wurden wir ins Landesinnere gebracht. Auf vielen Bahnstationen wurden uns Lebensmittel und Getränke gegeben. Manche der Leute, die uns Erfrischungen reichten, weinten. Wir selbst waren keiner Tränen mehr fähig; das Schicksal anderer kann einem mehr zu Tränen rühren als sein Eigenes oder vielleicht war uns auch die Tragik schon zur Gewohnheit geworden. Wir auf der Fahrt ins Innere Polen waren eine Gemeinschaft geworden. verbunden durch gemeinsam erlebtes Unrecht. Die Hilfsbereitschaft in den Bahnhöfen tröstete. Ein religiöser Mann kam in mein Abteil und las aus der Bibel vor. Uns tröstete es und ich gewann wieder meinen Glauben an die Menschen. Ich wurde mit meiner Familie in Lemberg untergebracht, wo wir ein entbehrangereichen Emigrantenleben geführt haben.“


Gerta Pfeffer: [Meine Erlebnisse in Deutschland vor und nach 1933]. S. 50-56. Unveröffentlichtes Manuskript (Archiv der Harvard Universität). – Die Aufzeichnungen wurden den Herausgebern freundlicherweise von Professor Dr. Detlef Garz, Fachbereich Erziehungswissenschaften der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg, zur Verfügung gestellt. Im Rahmen eines vom Land Niedersachsen und der DFG seit 1999 geförderten Forschungsprojektes wertet Sylke Bartmann die Manuskripte, die 1940 anläßlich eines in der USA ausgeschrieben Wettbewerbes in Cambridge (Mass.) eingegangen waren, gegenwärtig aus und bereitet eine Publikation vor.

October 28, 1938
Age 46
1942
September 10, 1942
Age 50
Chelmno death camp, Poland
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Perished in the Holocaust