Ludwig Marum (1882 - 1934) MP

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Birthplace: Frankenthal, Rhineland-Palatinate, Germany
Death: Died in Bad Schönborn, Karlsruhe, Baden-Württemberg, Germany
Cause of death: Murderd in the Holocaust
Occupation: Rechtsanwalt und Politiker der SPD
Managed by: David Prins
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Immediate Family

About Ludwig Marum

English:

Dr. Ludwig Marum

was born on 5 November 1885 to a lower-middle-class Jewish merchant's family in the town of Frankenthal in southwestern Germany. After studying law at the University of Heidelberg and in Munich, he married Johanna Benedick and practised law in Karlsruhe where his daughter Elizabeth was born in 1910.[1]

He joined the SPD in 1914 and after the 1918 revolution in Baden was briefly Justice Minister in the new Republic of Baden. By 1922 Marum was the only notable Jew in any state government.[2]

In 1928 Ludwig Marum was elected member of the Reichstag (German Parliament) for Karlsruhe. After the Reichstag fire and the passing of the Enabling Act of 1933, Marum was publicly deported to the Kislau concentration camp on 16 May 1933 together with six other SPD members of the Karlsruhe Landtag.[3] The SPD itself was banned by the Nazis on June 22, 1933. Marum was murdered at Kislau by the SS in the night of 28–29 March 1934.[4][5]

Source:

http://en.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Marum

Deutsch:

Dr. Ludwig Marum

(* 5. November 1882 in Frankenthal (Pfalz); † 29. März 1934 im KZ Kislau bei Bruchsal) war Rechtsanwalt und Politiker der SPD. Wegen seiner jüdischen Herkunft und seines politischen Engagements wurde er in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet.

Marum entstammte einer ursprünglich sephardischen, also spanisch-jüdischen Familie, die nach ihrer Vertreibung aus Spanien über die Niederlande in den südwestdeutschen Raum eingewandert war.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Bruchsal studierte er Rechtswissenschaften in Heidelberg, wo er der schlagenden jüdischen Studentenverbindung Badenia (später als K.C. Bavaria Heidelberg neugegründet) im KC beitrat.[1] Nach dem Studium erwarb er den juristischen Doktortitel.

Bereits in jungen Jahren wurde er Mitglied der SPD und engagierte sich nach seiner Niederlassung als Rechtsanwalt (1908) in Karlsruhe auch für sozial Unterprivilegierte. 1910 wurde er Vorsitzender des Badischen Arbeitersängerbundes und war von 1911 bis 1921 als Stadtverordneter im Gemeinderat der Stadt Karlsruhe tätig. 1914 rückte er für den kurz nach Kriegsbeginn gefallenen Ludwig Frank als Abgeordneter der SPD in den Badischen Landtag nach, wo er alsbald als Vorsitzender der Justizkommission hervortrat. Von 1915 bis 1918 diente er als Landsturmmann, wofür ihm 1917 das Kriegsverdienstkreuz verliehen wurde.

Nach der Novemberrevolution 1918 wurde Marum als Justizminister in die provisorische Landesregierung berufen. Nach der Wahl zur Badischen Verfassunggebenden Nationalversammlung am 5. Januar 1919 war er als Mitglied der Verfassungskommission an der Ausarbeitung der Landesverfassung beteiligt. Diese wurde als damals einzige deutsche Verfassung bei einer am 13. April 1920 durchgeführten Volksabstimmung angenommen.

Von 1919 bis 1928 war Marum Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag der Republik Baden. Er engagierte sich dabei insbesondere im Bereich der Rechtspolitik, plädierte beispielsweise für die Abschaffung der Todesstrafe, für die Rechte der nichtehelichen Kinder sowie gegen die Diskriminierung der unverheirateten Mütter und sprach sich für gleichen Lohn für Mann und Frau aus. Bereits 1910 war Marum aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten und hatte sich 1912 der Freireligiösen Gemeinde Karlsruhe angeschlossen, in deren Vorstand er gewählt wurde.

In der Endphase der Weimarer Republik bezog er gegen die aufsteigende nationalsozialistische Bewegung eindeutig Stellung. Als Rechtsanwalt war er vielfach mit Nationalsozialisten in gerichtliche Auseinandersetzungen verstrickt und ihnen deswegen besonders verhasst. Sie bezeichneten ihn als den „badischen Rathenau“ und versuchten, ihm das Klischee des geldgierigen Juden anzuhängen, indem sie ihn zu Unrecht der Bereicherung beim Verkauf einer Fabrik an die Firma Reemtsma und der Beihilfe zur Steuerhinterziehung verdächtigten.

In der Reichstagswahl 1928 wurde Marum als Abgeordneter für Karlsruhe gewählt. Sein Status hinderte das NS-Regime nicht, ihn unter Bruch seiner parlamentarischen Immunität kurz nach der Reichstagswahl 1933, am 10. März, auf unbestimmte Zeit in sogenannte Schutzhaft zu nehmen.

Am 16. Mai 1933 wurden Marum,[2] der frühere badische Staatspräsident Adam Remmele und fünf weitere führende badische Sozialdemokraten in das neu errichtete KZ Kislau bei Bruchsal verbracht. Dabei wurden sie unter entwürdigenden Umständen in einer vorbereiteten Aktion auf offenem Lastwagen durch die Stadt Karlsruhe gefahren, vorbei an pöbelnden SA-Horden und tausenden Karlsruher Bürgern. Nur Vereinzelte protestierten mit dem Ruf „Rotfront“ und riskierten, dafür sofort verhaftet zu werden.

Am selben Tag trat der Badische Landtag zu seiner Eröffnungssitzung zusammen. Vorher war er um die Abgeordneten der bereits verbotenen KPD „bereinigt“ und entsprechend dem Reichstag neu zusammengesetzt worden, um eine Gleichschaltung zu bewirken. Der wirkliche Machthaber in Baden war mittlerweile der neu ernannte Reichsstatthalter Robert Wagner, dem Marum sich in den Jahren zuvor während der Weimarer Zeit geistig und rhetorisch überlegen gezeigt hatte.

Das KZ Kislau wurde von den Nazis zur Irreführung über die wahren Verhältnisse in den vielen anderen Lagern als Vorzeigelager organisiert. Journalisten wurden herumgeführt, Marum musste ein zensiertes Interview geben.

Obwohl er rechtswidrig verhaftet worden war, hatte Marum wie viele Juden seiner Zeit eine Auswanderung abgelehnt. Die ihm gebotene Fluchtmöglichkeit – er hatte zu Anfang seiner Haft wegen einer familiären Angelegenheit für zwei Tage Freigang erhalten – nahm er nicht wahr. Er habe sein Ehrenwort gegeben, wieder in die Haft zurückzukehren. Marum glaubte, sich gegenüber den neuen Machthabern auf den Rechtsstandpunkt stellen zu können. In dem erwähnten Interview formulierte er, er wisse, dass man ihm nicht die Nase und die Ohren abschneiden werde; vielmehr sei den Machthabern daran gelegen, seine wirtschaftliche Existenz zu ruinieren.

Marum schrieb ein anderes Mal über die jüdischen Mitbürger, es sei die Tragik ihres Schicksals, dass sie nicht zum Judentum wollten, dass die Deutschen aber sie nicht wollten, so dass sie heimatlos zwischen den Rassen stünden.[3] Deutschland sei ihm Heimat, und er klammere sich daran.[4] Deutlich wird hieran, dass Marum, der sich früh von der religiösen Bindung an das Judentum gelöst hatte, sich stets zu seiner jüdischen Herkunft bekannt hat. Hierbei hatte er – wohl als Kind seiner Zeit – den nationalsozialistischen Rassebegriff des „Juden“ übernommen.

Während die zusammen mit ihm festgenommen SPD-Politiker bereits wieder freigekommen waren, war Marum auf Veranlassung von Reichsstatthalter Robert Wagner weiterhin festgehalten worden. Am 29. März 1934 wurde Marum in Wagners Auftrag erdrosselt. Die drei Täter waren der stellvertretende Lagerkommandant Karl Sauer, ein ehemaliger kaufmännischer Angestellter, der nunmehr der Gestapo angehörte, der SS-Oberscharführer Eugen Müller, Duzfreund Wagners, sowie der Kraftfahrer Paul Heupel, der als langjährig Arbeitsloser Ende 1932 in die SA eingetreten war.

Die von den Behörden verbreitete Version, Marum habe Suizid begangen, fand in der Bevölkerung keinen Glauben. Die Beisetzung der Urne mit der Asche Marums am 3. April 1934 auf dem Karlsruher Friedhof gestaltete sich trotz der Allgegenwart der Gestapo zu einer Demonstration, an der über 3000 Personen teilnahmen.

In einem der eher seltenen Akte der Aufarbeitung des NS-Unrechts[5] wurde Sauer am 4. Juni 1948 durch die II. Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe wegen Mordes zu lebenslänglicher, Heupel wegen Totschlags zu zwölfjähriger Haft verurteilt. Müller konnte nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden; er war im Zweiten Weltkrieg gefallen.

Andenken:

Vor Marums Frankenthaler Geburtshaus[6] in der früheren Färbergasse, heute Willy-Brandt-Anlage, sowie vor seiner ehemaligen Wohnung in der Karlsruher Wendtstraße 3 wurden Stolpersteine gesetzt.

Seit 1992 erinnert in der Nähe des Berliner Reichstags eine der 96 Gedenktafeln für von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete an Marum.

In Karlsruhe-Mühlburg und im benachbarten Bruchsal wurde jeweils eine Marumstraße gewidmet.

Die SPD Karlsruhe vergibt seit 1988 jährlich einen Ludwig-Marum-Preis. Er soll „Zeichen setzen für ein verantwortliches Verhältnis zur deutschen Geschichte, für Wachsamkeit gegen jede Form der Intoleranz sowie Menschlichkeit im Umgang mit Fremden“.[7]

Am 16. Oktober 1985 wurde das Gymnasium im nahegelegenen Pfinztal nach Marum benannt, eine dem Gymnasium nahestehende Stiftung schreibt seit 1998 einen Ludwig-Marum-Preis aus. Er kann z. B. „vergeben werden für Arbeiten, die sich mit der Geschichte des Faschismus beschäftigen oder mit dem Schicksal der Juden oder anderer verfolgter Minderheiten. Er könnte aber auch ein bestimmtes vorbildliches Sozialverhalten auszeichnen oder Aktionen, die sich gegen den neuen Rechtsradikalismus wenden“.[8]

Literatur:

Detlev Fischer: Ludwig Marum (1882–1934). In: Karlsruher Rechtshistorische Blätter, Schriftenreihe des Rechtshistorischen Museums. Heft 10, Rechtshistorische Rundgänge durch Karlsruhe – Residenz des Rechts, Karlsruhe 2005.

Frithjof Kessel: Zur Entwicklung des Gedenkens an Ludwig Marum. In: Harald Denecken (Hrsg.): …ihr dürft ihn nie vergessen! Der Ludwig-Marum-Preis 1988–1999. Karlsruhe, ISBN 3881902503, S. 36–51.

Manfred Koch: Meine Freiheit können sie mir nehmen, aber nicht meine Würde und meinen Stolz. In: Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Hrsg.): Politische Gefangene in Südwestdeutschland. 2001, ISBN 3-87407-382-3.

Monika Pohl: Ludwig Marum. Ein Sozialdemokrat jüdischer Herkunft und sein Aufstieg in der badischen Arbeiterbewegung 1882–1919. Info Verlag, Karlsruhe 2003, ISBN 3881903410 (Dissertation; Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte Band 8, Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe).

Clemens Rehm (Hrsg.): Warum Marum – Mensch. Politiker. Opfer. Ausstellungskatalog. Karlsruhe 2006, ISBN 3-88190-463-8.

Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3. Auflage. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5183-1.

Stadtarchive Karlsruhe und Mannheim (Hrsg.): Ludwig Marum, Briefe aus dem Konzentrationslager Kislau. 1984, ISBN 3-7880-9700-0 (darin auch verschiedene Zeitdokumente und eine längere Fassung der Marum-Biographie von Joachim W. Storck).

Joachim W. Storck: Marum, Ludwig. In: Badische Biographien. Neue Folge. Band IV, 1996.

Ulrich Wiedmann: Der Kislau-Prozess – Ludwig Marum und seine Henker. Edition Tintenfass, Neckarsteinach 2007, ISBN 978-3937467405.

Weblinks:

https://portal.dnb.de/opac.htm?query=Woe%3D118731459&method=simpleSearch

http://www.reichstag-abgeordnetendatenbank.de/selectmaske.html?pnd=118731459&recherche=ja

http://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/detail.php?template=marum_haupt&id=43833

http://www.rechtshistorisches-museum.de/rhms.htm

Einzelnachweise:

[1] Monika Pohl, S. 75


[2] Marum war den Nationalsozialisten als Jude und Sozialdemokrat verhasst.

[3] Marum, Brief vom 29. Juli 1933

[4]Marum, Brief vom 26. September 1933

[5] Akten im Generallandesarchiv Karlsruhe

[6] Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal: Aktion „Stolpersteine in Frankenthal“. 7. November 2006, abgerufen am 19. Juli 2011.

[7] SPD-Stadtverband Karlsruhe: Ludwig-Marum-Preis. Abgerufen am 19. Juli 2011.

[8] Ludwig-Marum-Stiftung Pfinztal: Was will die Ludwig-Marum-Stiftung-Abgerufen am 19. Juli 2011.

Quelle:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Marum

24. Der einzige Jude der in dem "Konzentrationslager" Kislau ermordet wurde, war Dr. Ludwig Marum.

Das Wort "Konzentrationslager" steht deshalb in Anführungszeichen, weil man Kislau auf keinen Fall mit Dachau oder gar Auschwitz vergleichen darf, wo Hunderttausende von Juden vergast wurden. In Kislau wurde außer Marum kein einziger Jude umgebracht. Marum wurde 1933 zusammen mit anderen politischen und persönlichen Freunden dort eingeliefert [darunter Dr. Adam Remmele], aber nicht weil er Jude, sondern weil er Sozialdemokrat war.[1] Sozialdemokraten wurden später wieder freigelassen, nicht aber der jüdische Politiker Marum. Dieser wurde auf Anordnung des Gauleiters und Reichsstatthalters Robert Wagner, eines fanatischen und haßerfüllten Antisemiten, am 29. März 1934 in Kislau ermordet. Es war Wagners Ziel, seinem Führer Adolf Hitler ein "judenreines" Baden zu präsentieren. Die feige Ermordung Marums war der erste Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel.

24.1 Wer war Dr. Ludwig Marum?

"Ludwig Marum wurde 1885 als Sohn einer kleinbürgerlich jüdischen Handelsfamilie in Frankenthal geboren und ist dort und in Bruchsal aufgewachsen. Nach dem Studium der Rechtswissenschafte- u.a. in Heidelberg - ließ sich Marum in Karlsruch als Rechtsanwalt nieder und wurde in der SPD zunächst komunalpolitisch tätig. Während der Revolution wurde er 1918/19 als Justizminister in die badisch Regierung berufen, der er auch später noch als Staatsrat angehörte, bis er 1928 in den Reichstag gewählt wurde. Mit seinem wachen Sinn für die Künste und Wissenschaften war Marum einer der intelektuell führenden Köpfe der badischen Sozialdemokratie. Von den Nazionalsozialisten besonders gehaßt, wurde er zusammen mit sechs Genossen am 16. Mai 1933 durch Karlsruhe geführt und in das neu geschaffene Konzentrationslager Kislau bei Bad Mingolsheim eingeliefert. Dort wurde er am 29. März 1934 ermordet. Bei L. Marum erscheint es kennzeichnend, daß er seine jüdische Herkunft - die er auch ohne eine formalle konfessionelle Zugehöriglkeit mit Selbstbewußtssein und Stolz bekannte - durchaus problemlos zu verbinden wußte mit seinem Selbstverständnis als Deutscher und Sozialist. Er wollte der deutschen und nicht der jüdischen Arbeiterbewagung angehören. Es war die Tragik dieses Mannes, daß er die demokratischen Kräfte im badischen Volk über- und die rechtsreaktionären und völkischen Strömungen in diesem Land unterschätzt hatte." [2]

24.2 Die Ankunft in Kislau

Ein damals 12jähriger Junge berichtet: "Ich spielte auf der Straße, als ein Bub aus der Nachbarschaft zu mir sagte: "Du, hast du schon gehört, da werden Gefangene in Kislau eingeliefert...auf einem offenen Polizeiwagen. Wollen wir nicht hingehen?" Als wir in Kislau ankamen, mischte sich der andere Junge unter die Menschen, die im großen Innenhof von Kislau zusammengeströmt waren. Es waren ungefähr 200 bis 300 Menschen, vielleicht noch mehr. Leute aus Mingolsheim, Kronau und Langenbrücken... Ich kletterte auf einen Kastanienbaum, um das Geschehen besser beobachten zu können...Es muß so gegen ein Uhr mittags gewesen sein, als die sechs sozialdemokratischen Schutzhäftlinge, von SS- und SA-Leuten umringt, sich aufstellen mußten... Da brachen die Leute in Pfui-Rufe aus und stimmten das "Müllerlied" an, von dem sie mehrere Strophen sangen...Ich selbst, auf meinem Baume sitzend, habe fest mitgesungen.[3] Auf meine Frage, ob man auch gegen den Juden Marum etwas geschrien habe meinte der heute 63jährige: Das kann ich nicht mehr genau sagen. Aber es könnte sein, daß man den Satz "Jud bleibt Jud", der mir damals schon geläufig war, weil ich ihn von Erwachsenen wiederholt gehört hatte, aus der Menge heraus vernehmen konnte, aber nur hin und wieder..."

24.3 Und wie reagierte ich selbst...

Am 16. Mai 1933 war ich Schüler inder Abiturklasse am Humanistischen Gymnasium in Bruchsal und hatte an diesem Tag Unterricht. Ich erfuhr also erst am Abend, als ich nach Hause kam, vom politischen Hauptereignis dieses Tages... Ich weiß nicht mehr genau, wie ich als 19jahriger Gymnasiast reagierte. Ich weiß nur, daß ich damals mit den verhafteten "Sozis" so einen Anflug von Mitleid hatte.. Und als Marum am 29. März 1934 in seiner Zelle stranguliert wurde und die Nazis das Gerücht verbreiteten, Marum habe sich erhängt, da war folgender Satz in Mingolsheim in Umlauf, den man sich natürlich nur hinter vorgehaltener Hand zuflüsterte:

"Hast du schon gehört, der Marum hat sich aufgehängt - worden."

Es herrschte eine bedrückende Stimmung.

Anmerkungen:

[1] Fred Braun (geb. 1909), ehemaliger Schutzhäftling in Kislau berichtet: "Ich war aktives Mitglied im kommunistischen Jugendverband, und das wurde mir als Schutzhaftgrund genennt. Daß ich Jude bin, war den Nazis beekannt, spielte aber damals keine Rolle. Abgesehen von Marum, wurde zu meiner Zeit niemand - auch ich nicht - geschlagen oder beschimpft. Wir waren eben inhaftiert und mußten, soweit wir gesund waren, ins Ried ("Bruch") ausrücken. Das Essen war ausreichend und ordendlich zubereitet. Kleidung: Arbeitsdrillich der Polizei. Schlafen in Schlafsälen. Es bleibt also dabei: Ich kam nach kislau, weil ich Kommunist und nicht weil ich Jude war. Die beginnenden Scheußlichkeiten der Nazis gingen als Kelch an den Kislau-Inhaftierten vorüber."

[2] Jörg Schadt, Ludwig Marum-Briefe aus dem Konzentrationslager Kislau, Karlsruhe 1984.

[3] Adam Remmele (1877-1951) übte in den Jahren 1890-1903 den Müllerberuf aus. Als er von 1919-1931 Badischer Minister des Inneren und zeitweise auch Unterrichts- und Justizminister sowie Staatspräsident war, verspotten ihn seine politischen Gegner, indem sie in Anspielung auf seinen Müllerberuf das Lied sangen "Das Wandern ist des Müllers Lust." Ob Remmele als Minister das Singen dieses Liedes verboten hat, ist nicht erwiesen.

Quelle:

Dr. Willy Messmer, Juden unserer Heimat, Die Geschichte der Juden aus den Orten Mingolsheim, Langenbrücken und Malsch, 1986, Seite 196-199

Weitere Weblinks:

http://ka.stadtwiki.net/Ludwig_Marum

http://ka.stadtwiki.net/Stolpersteine_Wendtstra%C3%9Fe_3

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Dr. Ludwig Marum's Timeline

1882
November 5, 1882
Frankenthal, Rhineland-Palatinate, Germany
1910
September 1, 1910
Age 27
Karlsruhe, Karlsruhe, Baden-Wurttemberg, Germany
1913
April 28, 1913
Age 30
Karlsruhe, Karlsruhe, Baden-Württemberg, Germany
1919
July 17, 1919
Age 36
Karlsruhe, Karlsruhe, Baden-Württemberg, Germany
1934
March 29, 1934
Age 51
Bad Schönborn, Karlsruhe, Baden-Württemberg, Germany
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Victim of the NAZI Holocaust